Was ist Neurofeedback?

Neurofeedback ist eine wissenschaftlich anerkannte Therapiemethode, durch die es möglich ist, die eigenen Gehirnaktivitäten besser regulieren zu können. Nebenwirkungen sind nicht bekannt. So wie ein Mensch laufen und Rad fahren lernt, kann er durch das Neurofeedback neue Verhaltensmuster und kognitive Fertigkeiten wie z.B. Aufmerksamkeit, Entspannung und Selbstregulation erlernen und nachhaltig automatisieren.
Dies führt zu neuen Erfolgserlebnissen, da die Leistungsfähigkeit und die Frequenz der Erregungs- und Entspannungszustände des Gehirns dauerhaft erhöht werden. Nachhaltige Verbesserungen der kognitiven Leistungen und des Verhaltens in Prüfungs- und Stresssituationen sind die Folge.
In einem computergestützten Verfahren werden die die Gehirnstromkurven (in EEG-Wellen) in Echtzeit dargestellt. Anschließend werden diese auf ihre Frequenzverteilung analysiert, die den aktuellen Bewusstseinszustand (zum Beispiel wach, schlafend, aufmerksam, entspannt, gestresst) widerspiegelt.
Ziel ist es nun, die eigenen Gehirnströme zu steuern und bestimmte Gehirnregionen zu aktiveren, hierdurch können Symptome wie z.B. Ruhelosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten oder aggressives Verhalten besser selbstreguliert werden. Die neu erlernten Verhaltensweisen lassen sich auf den Alltag übertragen, so werden neue und bisher nicht wahrgenommene Handlungswege zur Problemlösung sichtbar gemacht.

Wann ist Neurofeedback sinnvoll?

Viele Krankheiten, Störungen oder ungewollte Verhaltensmuster lassen sich auf Fehlregulation der Gehirnaktivität zurückzuführen. Neurofeedback kann bei einer Vielzahl von Störungen hilfreich sein. Dazu gehören z.B.


• ADHS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit und ohne Hyperaktivität)
• Angststörungen
• Autismus
• Migräne
• Epilepsie

Wie funktioniert Neurofeedback?

Regulationsübungen am Computer stehen im Zentrum des Neurofeedbacktrainings. Klinische Studien haben die Wirksamkeit von Neurofeedback nachgewiesen.
Das SCP-Training (Slow Cortical Potentials) stellt die am weitesten verbreitete Form des Neurofeedbacks dar. Hierbei geht es darum, die langsamen Potenziale der Großhirnrinde zu regulieren und bestimmte Hirnregionen so zu aktivieren, dass sie eine bevorstehende Aufgabe bewältigen können. In einem computergestützten Trainingsprogramm sollen die Probanden allein durch ihre Gedanken einen Gegenstand steuern lernen. Hierbei sind weniger die exakten Gedankengänge entscheidend, sondern die Steuerungsfunktionen des Gehirns. Je unverkrampfter und entspannter sich der Proband auf die Aufgabe konzentrieren kann, desto bessere Resultate werden erzielt. Es wird somit die Konzentrationsfähigkeit und gleichzeitig auch die Fähigkeit der Entspannung trainiert. Der Proband ist während der Übung an ein EEG-Messgerät angeschlossen, das die Hirnströme misst. Hierdurch ist es anschließend möglich, ein genaues Feedback über Stärken und Schwächen sowie Lernfortschritte zu geben. Es sollen somit nicht nur die Symptome von z.B. ADHS, Konzentrationsschwierigkeiten oder Migräne therapiert werden, sondern unmittelbar an der Ursache der Störung angesetzt werden. Im Gegensatz zu Medikamenten kann das Verfahren bereits bei Vorschulkindern angewendet werden, aber auch noch im Erwachsenenalter.
Die Neurofeedbackmethode ist eine sehr sanfte und schmerzfreie Therapieform, die u.a. von Psychologen, Psychotherapeuten und Ergotherapeuten durchgeführt werden kann. Wissenschaftliche Grundlage der Methode ist das Biofeedback: Dabei werden Veränderungen von Körperprozessen wie Puls oder Blutdruck mit Hilfe von Geräten sichtbar gemacht. Im Fall von Neurofeedback ist es die Gehirnaktivität, die gemessen und dem Patienten über einen Monitor „zurückgemeldet“ wird. Neurofeedback sollte als ein Baustein in einem multimodalen Behandlungskonzept integriert werden. Bei Patienten, die bereits medikamentös behandelt werden, kann Neurofeedback parallel eingesetzt werden. Im Gegensatz zu Medikamenten hat das Neurofeedback bei richtiger Anwendung keinerlei Nebenwirkungen. Ziel der Behandlung ist eine dauerhafte positive Veränderung des Verhaltens der Patienten.


neurofeedback_einführung_1Quelle: neuroCare Group, München 2016, Fotograf: Ralph Kallenbach, www.neurocare.com

Ziele des Neurofeedbacks


Die Betroffenen sollen dazu befähigt werden, ihre eigene Hirnaktivität so zu beeinflussen, dass sie Reize gezielter verarbeiten und Aufgaben besser bewältigen können. Dies geschieht, indem sie lernen, ihre hirnelektrischen Signale bewusst zu negativieren bzw. positivieren, das heißt sich abwechselnd in einen aufmerksamen und einen entspannten Zustand zu versetzen.
Das Prinzip des Neurofeedbacks beruht dabei auf der positiven Verstärkung: Gelingt es den Patienten, ihre Gehirnaktivität in die richtige Richtung zu lenken, wird ihnen dies unmittelbar über den Monitor zurückgemeldet und dieser Erfolg entsprechend belohnt. So lernen die Trainierenden nach und nach, ihre Gehirnaktivität zu steuern und sich selbst zu regulieren. Langfristig wird dieses Verhalten automatisiert und auf Alltagssituationen übertragen.

Wirksamkeit des Neurofeedback-Trainings

Während es den Trainierenden anfangs oft schwer fällt, zwischen den verschiedenen Aufgaben und Zuständen ihres Gehirns zu unterscheiden, werden sie im Verlauf des Trainings meist immer besser. In der Regel können sie etwa nach der 15. Sitzung schon deutlich zwischen Konzentration und Entspannung unterscheiden. Gelingt dies, können nach und nach die Bedingungen des Trainings erschwert werden. So werden beispielsweise störende Umweltbedingungen wie Geräusche oder grelles Licht eingebaut, um reale Alltagsbedingungen zu simulieren. Je weniger sich die Trainierenden durch diese Störungen ablenken lassen, desto besser gelingt es ihnen meist auch im Alltag, sich zu konzentrieren und ihre Bewegungen und ihr Verhalten gezielt zu steuern – auch über die Therapie hinaus. In der Schule können sie besser aufpassen, machen bei Hausaufgaben und Klassenarbeiten weniger Fehler, und ihr Schriftbild verbessert sich deutlich. Sie können sich besser organisieren, sind gelassener und ihr Selbstbewusstsein steigt. Auch die Beziehungen zu den Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld verbessern sich dadurch erheblich.

Kostenübernahme

Auf ärztliche Verordnung kann die Therapie von Ergotherapeuten durchgeführt werden. Ihr Arzt/Kinderarzt bzw. Kinder- und Jugendpsychiater kann Ihnen eine Verordnung für eine „psychisch-funktionelle Behandlung“ ausstellen. Im Rahmen dieser Behandlungen darf Neurofeedback durchgeführt werden.